Yggdrasil

Oder: der schamanische Weltenbaum und der Hel-Weg

Erster Satz: es ist keine Sexualmagie. Aber die natürlichste Darstellung der Vereinigung von Gegensätzen ist nun mal die Sexualität. Und diese Seite ist ein informative Seite: also mit viel Text.

Das Bild ist die visuelle Umsetzung meines (persönlichen) Ygdrasil-Modells. (Weiter unten) Links das Weibliche (Niflheim), rechts das Männliche (Muspelheim – Sutr). Zugrunde liegt das Muster der neun Stäbe, und da, wo sich mehr als zwei Stäbe berühren, befinden sich die neun Welten der Ygdrasil (die ersten beiden miteingerechnet).

Der Hintergrund dazu war, eine „Landkarte“ für die schamanische Reise zu haben, allerdings ganz orientiert auf die europäische Überlieferung. Oben sind Asgard (AnsuR), Dunkelalben-(AlgiR) und Lichtalbenheim (Fehu).

Unten Helheim (HagalaR), Thursenheim (ThurisaR) und Wanenheim (UruR).

In der Mitte die Rune für die menschliche Gemeinschaft.

Das sind natürlich meine (!) Runen und wer noch nie Runen benutzt hat, sollte sie auch nicht einfach übernehmen und derjenige, der einen Bezug zu den Runen hat, wird seine eigenen finden. Es sind – in dieser Praxis – die „Tore“ zu den Welten und der Ausgang. (die beiden Außenwelten reise ich nicht an)


A – Die zwei polaren Urkräfte jeglichen Seins

1 = Nebelheim (Niflheim)= die Welt des Stoffes (Substanz) Das „Wasser“ in seinen drei Grundformen Eis, Wasser, Dampf. So wie Feuer als Wärme in allem Lebendigen ist, so ist es die Substanz (Materie ist nur ein Aspekt – der Stoffliche) ebenso. Alles Lebendige (körperlich, seelisch und geistig) besitzt eine bestimmte Gestalt (als Gedanke, als Leidenschaft, als Emotion usw) und hat somit eine eigene „Substanz“. Das Bewusstsein kann nur etwas wahrnehmen, das wahrnehmbar ist – also „Substanz“ besitzt. Symbolisch der Kessel (Brunnen) als Zeichen der „Großen Mutter“ (Norden)

2 = Muspelheim = die Welt des Feuers, das alles in Bewegung bringt und auch wieder beendet. Der „Dunkle“ (Surt) ist der Herr von Muspelheim. Er steht am Anfang eines jeden Zyklus und wird in jedem Ragnarök (Ende eines Zyklus) das Gewordene wieder zerstören. (Enstehen – Werden – Vergehen zu neuem Entstehen) Der Ur-Wille oder die Urbewegung, Ur-Impuls, und Uranfang jegliches Seins. Als Wärme ist es in jedem Lebensprozess und im Blut. (Süden)


Die ersten beiden Welten sind auf den beiden Außenstäben, welche die belebte Welt, und somit die Yggdrasil, abgrenzen von Utgard. Auf den Menschen bezogen die negative und die positive, die weibliche und die männliche Säule (yang und yin) Säule. Kosmisch die beiden Pole zwischen denen sich das Leben entsteht, entwickelt und wieder vergeht.

B = Die Sieben Innenwelten

3 = Dursenheim = der Raum der anorganischen Gesetze (Gravitation, Hitze, Kälte usw) die den Lebensprozessen zu Grunde liegen, aber ihnen auch feindlich gegenüberstehen. In der nordischen Mythologie entstand im Ginnungagap (Gähnende Leere) als die Wasser von Niflhel hineinflossen, erstarrten und von den Feuerfunken aus Muspelheim wieder verflüssigt wurden, als Erstes Ymir (der Ur-Riese), aus dem später die Welt geschaffen wurde. Wir leben „in Ymir“, im Riesen – also in den anorganischen Gesetzmäßigkeiten des Kosmos. Die Riesen (Jöten, Thursen) sind die Personifikationen dieser Gesetze

4 = Wanenheim – der Raum des organischen Lebens, in der nordischen Schöpfungsmythologie durch Audhumla (der Urkuh) die Ymir ernährte und den Vater der Asen freileckte, dargestellt. Wenn man nicht nur die Fruchtbarkeitsgötter Freyr, Freya und Njörd (oder Nertus), sondern auch Thor (Donar) zu den Wanen zählt, dann wird seine Aufgabe als Himmelsvater (der bäuerlichen Gesellschaft der Festlandgermanen) nachvollziehbarer. Während Freyr und Freya das Leben „sind“ ist Donar derjenige, der es erhält und verteidigt, gegen Wintereinbrüche, Kälte und Hitze (zur falschen Zeit) usw., mit seinem Hammer kämpft.

5 = Asgard – der Raum des „Geistes“= ruach, pneuma, od, chi, ki, sie alle bezeichnen (in ihren Sprachen) „Luft, Atem, Kraft (Energie)“ und haben mit dem Verstand nichts zu tun. Odem, oder Atem wäre ein verständlicherer Ausdruck, der die Vitalität und die Notwendigkeit von „Geist“ sinniger darstellt. Im AT und in der Edda kommt der Odem vom Himmelsgott, Gott ist „ruach“, also: Gott ist Wind, Atem, Kraft. (Gott ist Geist). Es ist die Wahrnehmung, dass sich im sinnlich leeren Luftraum etwas befinden muss, dass durch die Winde wirksam ist. Ebenso im Menschen (Atem). Eine eigenständige Kraft im Menschen und in der Welt, die nicht wahrnehmbar, sondern nur erlebbar ist – über den Menschen hinaus = also göttlich und den Menschen beeinflussend

6= Midgart = der Raum des Bewusstsein. Also jenes Wahrnehmungsfeldes in welchem die Emotionen, Triebe,Gedanken und die Taten bewusst werden. Und das ist nicht die Welt des Traumes oder einer „hohen spirituellen“ Sphäre, sondern das Menschenleben. Also das Erdenleben, auf der Erde, in einem Köper, der mit seinen Sinnen und Bewegungsapparat, der Notwendigkeit von Nahrungsaufnahme, Luftholen und der Schutzbedürftigkeit, das „Bewusst-Sein“, das „Bewusst-Werden“ erst ermöglicht. Midgart = der „Garten in der Mitte“ (und das ist im Raume mein Körper, ich bin immer in „der Mitte“).

7 = Helheim = ist der Raum der „Verhehlung“, des Verborgenen. Und das war nicht nur unter oder in der Erde. Die beiden Totenorte (von Odin und von Freya) waren im Himmel, sie wurden auch als „Himmelsburgen“ bezeichnet. Nach dem Leben geht der Mensch nach Hel, nach der Wahrnehmung wird ein Ereignis vergessen (ist verborgen), und wenn ein Kind das Laufen (oder anderes) lernt, dann muss das Lernen wieder vergessen (verhelt) werden, „automatisch“ – also ohne Anteil des Bewusstseins – ablaufen. All das ist „Hel“. Alles was „vergessen“ (also unbewusst), gestorben und aus dem Bewusstsein verschwunden ist. Da die Toten begraben wurden, oder in eine Höhle gebracht, hat sich das „Unten“ eingebürgert, da auch das Korn in die Erde gelegt wurde, die Wurzeln der Pflanzen (und Bäume) unter der Erde sind und ebenso das „Tote“.

8 = Lichtalbenheim =der Raum der „äußeren“ Aktivitäten (soziales und reales Lebensumfeld) aus derem Wirken heraus die menschliche Kultur und deren Entwicklungen und Zerstörungen hervorgeht. Die Welt des Verstandes, des Beurteilens und Bedenkens. Der Rabe „Hugin“ Allvadrs. Wenn „Licht und Dunkel“ nicht moralisch bewertet wird, dann kann das „Lichte“ mit all dem zusammengebracht werden, das „bewusst“ (klar umrissen und sichtbar) ist. In der nordischen Mythologie ist es die Welt des Fruchtbarkeitsgottes Freyr (Froh, der Freie, der Herr) oder Ing der sagenumwogene Friedensfürst der Vorzeit. Die „Bezähmung“ der äußeren Natur durch Rodung, Trockenlegung und Verbindung durch Wege. Die „Bezähmung“ der inneren Natur, durch Lehren, bewusste religiöse Praktiken. Es sind die Elfen in den modernen Sagen.

9 = Dunkelalbenheim = ist die Welt der „inneren“ Aktivitäten der „emotionalen Intelligenz“, der Träume, Ahnungen, Visionen. Der Rabe „Munin“ Allvadrs. „Zwerg“ kommt von „dwerg“ dem Wirkenden, Gestaltenden und die Schwarzalben der Edda sind ebenso diejenigen die aus der inneren Inspiration, aus Magie und Kunst die „Wunderwaffen“ der Götter (Mjöllnir, den Ring Draupnir, den Gürtel Brisingamen usw) schufen. Es ist die Welt der Magie, der Inspiration welche dem Bewusstsein, mit seinem Hang zum klaren Verständnis, zur klaren Erkenntnis zu „dunkel“ und zu „schwarz“ ist.