Kreuzweg

Dieser Zyklus entstand 2004 und basiert auf  einer „unitarischen“ Sichtweise


 „Da neigt sich die Stunde und rührt mich an mit klarem, metallenem Schlag:
mir zittern die Sinne. Ich fühle: ich kann – und ich fasse den plastischen Tag. Nichts war noch vollendet, eh ich es erschaut, ein jedes Werden stand still. Meine Blicke sind reif, und wie eine Braut kommt jedem das Ding, das er will. Nichts ist mir zu klein und ich lieb es trotzdem und mal es auf Goldgrund und groß, und halte es hoch, und ich weiß nicht wem löst es die Seele los…“
(R.M.Rilke)

Einleitung

Der Kreuzweg ist eine alte Form der Nach-ahmung, des Nach-erlebens des wichtigsten  Heilsereignisses der christlichen Religion: des Leidens und Sterbens des Gottessohnes. Entstanden ist er  in Jerusalem, an den ursprünglichen Orten, die gläubig, leidend, feiernd, nachgegangen wurden.
Später fand er in Europa Eingang und schmückt schon seit Jahrhunderten römisch-katholische Sakralräume. Vor allem in der Passionszeit, bis in Ostern hinein, wird er zur Verinnerlichung und Vergegenwärtigung der Menschwerdung Gottes benutzt.
In der kirchlichen Tradition ist nur Jesus der Sohn Gottes, in verschiedenen gnostischen und außer-kirchlichen Bewegungen, ist dagegen auch jeder Mensch, ein Kind (Sohn) Gottes und erlebt die „Menschwerdung des Göttlichen“ im eigenen Leben nach.Diesen Gedanken, das der Weltengrund (Vatergott) in jedem Menschen zum Bewusstsein kommt, folgt auch diese Verarbeitung des Kreuzweges – als Seelenweg. Die Ursache des Seins – der Urgrund – wird Leben (die Welt vom Mineral, über das Pflanzenreich bis hin zum Tierreich) und kommt in dieser Welt zum Bewusstsein (im Tierreich). Im Menschen wird er seiner selbst bewusst. In dem jüdischen Rabbi kam Gott zu sich selbst so, das dieses Leben als Vorbild in der Gesamtentwicklung der Menschheit als Vorbild dienen konnte. Das „Ich-Bin-Da“ des (sich darauf vorbereitenden Israel) wurde zum „Ich-Bin“ in einem einzelnen Menschen. Nicht mehr ein Volk, oder Stamm, sondern das menschliche Bewusstsein.
Der Mensch braucht Gott um zu sich selbst zu kommen = Gott braucht den Menschen um sich seiner selbst bewusst zu werden. Das ist unitarisches Denken, das aber so auch bei Teilhard de Chardin, Rudolf Steiner, Ken Wilber und anderen Vertretern der spirituellen Evolution (Sri Aurbindo) zum Ausdruck kommt.
Oder auch: „Gott wurde Mensch – damit der Mensch Gott werde“Der Zyklus folgt einer Zweiteilung. Die ersten sieben Bilder stellen das Werden des Menschen dar, bis zur Reife und vollen Handlungsfähigkeit in der Welt. Die zweiten sieben Bilder die Entwicklung
zur geistigen Reife, die mit der körperlichen nicht identisch sein muss.

 

Den Bildern ist fortlaufend der Eingang des Stundenbuches von R.M.Rilke beigestell


I - Station
Jesus wird zum Tode verurteilt
Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen, die sich über die Dinge ziehn.
Ich werde den letzten vielleicht nicht vollbringen, aber versuchen will ich ihn.
Ich kreise um Gott, um den uralten Turm, und ich kreise jahrtausendelang;
und ich weiß noch nicht: bin ich ein Falke, ein Sturm oder ein großer Gesang.
(R.M.Rilke)
Ganz am Beginne eines jeglichen Lebensprozesses steht eine Gericht = ein Beschluss der etwas richtet,  ausrichtet, und dabei auf einen anderen Lebensprozess aufbaut. Im traditionellen Kreuzweg ist dies das  Leben Jesus Christi als Gottessohn und die damit zusammenhängende Herausforderung der  bestehenden religiösen Machtverhältnisse. Die Vertreter der religiösen und politischen Macht verurteilen den Rabbi Jesus.
Nach traditioneller christlicher Anschauung ist es Gott, der jedem Menschen seinen Platz im Leben, in der Gesellschaft, der Zeit, der Familie (usw) zuordnet, zurichtet. Anhänger der asiatischen  Religionen, sehen den Beginn des neuen Lebens als Ende des alten an und betrachten den Platz, der  im Leben eingenommen wird als Resultat (Gericht) des vorhergegangenen. Welches Anschauung  hier genommen wird (oder auch eine andere) muss der Betrachtende für sich selber entscheiden.
Grundlage dieser Bildbetrachtung, ist die Annahme, dass kein Zufall für mein Leben entscheidend ist, sondern ein Beschluss, der sich an den Notwendigkeiten des göttlichen Lebens (dessen Teil ein  jeder von uns ist – oder an dem Tun eines karmischen Vorgängers , der wir ja nicht selber sind) orientiert.
Drei Gestalten sind in den Grundfarben blau, grün und rot in dominierender Pose dargestellt: Das  Christentum kennt die Trinität (Vater, Sohn, heiliger Geist), das Heidentum kannte drei Nornen  (Urd, Werdandel und Skuld), die Zeit kennt Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Oder auch:
Werden (Entstehen, Zeugen) Sein (Geburt und Da – Sein) Vergehen (Verblühen, Erneuern).
Die vier schwarzen Gestalten im Hintergrund weisen auf den Raum, die vier Himmelsrichtungen,  auf den Ort „Erde“ in dem das Drama spielen wird – und Rilkes Text auf das „umkreisen Gottes“ seit  Ewigkeiten.

II - Station
Jesus nimmt das Kreuz auf
Ich habe viele Brüder in Sutanen im Süden, wo in Klöstern Lorbeer steht.
Ich weiß, wie menschlich sie Madonnen planen, und träume oft von jungen Tizianen, durch die der Gott in Gluten geht. Doch wie ich mich auch in mich selber neige: Mein Gott ist dunkel und wie ein Gewebe von hundert Wurzeln, welche schweigsam trinken. Nur, daß ich mich aus seiner Wärme hebe, mehr weiß ich nicht, weil alle meine Zweige tief unten ruhn und nur im Winde winken.
(R.M.Rilke)
„Und zu allen sprach er: Wer mir nachfolgen will, der muss Selbstverleugnung üben und täglich sein Kreuz auf sich nehmen. So allein kann er mir nachfolgen. Wer nur auf das Heil seiner Seele bedacht ist, der wird sie verlieren. Wer aber bereit ist, sie um des Ich willen zu verlieren, der wird das Heil der Seele finden.“  ( Lukasevangelium Kap. 9, Vers 23ff – Übersetzung Lic. E. Bock)
Das Kreuz als Sinnbild des Lebens, der eigentlichen Lebensaufgaben, die nur dann sinnvoll  angegangen werden können, wenn sie – trotz emotionaler Hindernisse – angenommen werden.  Wir sind – innerhalb dieser Bildserie – noch vor der Geburt zum Einzelwesen. Das goldige (reine) Geistkind, der Geistkeim – das Ich des Menschen – bejaht das Urteil, nimmt es an und erhält den   Beistand des göttlichen Geistes (hier als Vogel dargestellt).
Es gibt Forschungsergebnisse, nach denen Menschen (wenn sie nach ihrem klinischen Tod ins Leben  zurückgeholt werden konnten) ihre Biografie wie einen Panoramafilm noch einmal nacherleben.
Genauso gibt es Lehren, nach denen der Geistkeim (höheres Ich / Selbst usw.) die Grundmuster  seines Lebens als Vorentwurf – die auszuarbeiten es aufgerufen ist – vor der Geburt überblickt. Nicht  als festes «Korsett» dass alle Entscheidungen schon im Vorfeld geklärt und entschieden hat, sondern  als «Möglichkeiten» in einer mehrschichtigen Vielfalt.
Die Farben sind sehr dunkel, als Hindeuten auf den Mutterleib, und die Farbe Rot überwiegt, als  Hindeutung auf das Blut, das, nach alter symbolträchtiger Anschauung, von der werdenden Mutter
zurückgehalten wird, um daraus den neuen Menschen zu gestalten.
Die Bildaussage weist auf: „Doch wie ich mich auch in mich selber neige: Mein Gott ist dunkel…“  des Rilketextes.

III - Station
Jesus fällt zum ersten Mal unterm Kreuz
Wir dürfen dich nicht eigenmächtig malen, du Dämmernde, aus der der Morgen stieg. Wir holen aus den alten Farbenschalen die gleichen Striche und die gleichen Strahlen, mit denen dich der Heilige verschwieg.Wir bauen Bilder vor dir auf wie Wände; so daß schon tausend Mauern um dich stehn. Denn dich verhüllen unsre frommen Hände, sooft dich unsre Herzen offen sehn.
(R.M.Rilke)
Wohinein auch immer die Geburt geführt hat, in körperliche Gesundheit, körperliche Behinderung, in  soziale Ober- oder Unterschichten = die erste Beziehung ist die zur Familie. (Oder eines anderen  adäquaten Bezugskreises). Diese formt, gestaltet und prägt mit ihrem Wesen dass des Kindes. Es kann  der erste Fall sein, die Aufgabe der persönliche Eigenheit, bis hin zur Deformierung, wenn man dem  Geistkeim ein eigenes Profil vor dem physischen Menschsein zuerkennt. Wenn nicht, dann ist es die  Grundprägung der sozialen Umwelt und der Körperlichkeit mit all seinen spezifisch genetischen  Formen, aus denen der Geistkeim seine spätere seelische Wesenshaftigkeit und bewusste Innerlichkeit  formt.
Das Bild ist hell, da die ersten Monate „schuldlos“ sind. Die archaisch drohende Gestalt liegt  außerhalb des Blickfeldes der goldenen Gestalt, die nur die tragenden Hände sieht. Sie kniet auf Feuer.  Dieses Element steht für Verwandlung, aber auch für Instinkt- und Triebwelt. Also den Bereich, in  dem der Säugling unbewusst lebt. Die Frauengestalt ist archaich dargestellt und weißt in ihrer  Symbolik – ebenso wie die Hände als «Helfer» auf die «vorsprachliche» Zeit, in der die Grundanlagen  des späteren Verhalten geformt werden, der tiefstsitzenden Verhaltensmustern. Welche, da sie  sprachlich nicht benannt werden können, auch so schlecht beschreibbar und somit ins Bewusstsein zu  holen sind.
Im Sinne des Kreuzweges, stehen sie hier vor allem für alles spätere «Fallen», oder «innere Fallstricke»,  aber auch für die „Bilder, die wie Wände um uns stehen“ (R.M.Rilke)

IV Station
Jesus begegnet seiner Mutter
Ich liebe meines Wesens Dunkelstunden, in welchen meine Sinne sich vertiefen; in ihnen hab ich, wie in alten Briefen,mein täglich Leben schon gelebt gefundenund wie Legende weit und überwunden. Aus ihnen kommt mir Wissen, daß ich Raum zu einem zweiten zeitlos breiten Leben habe. Und manchmal bin ich wie der Baum, der, reif und rauschend, über einem Grabe den Traum erfüllt, den der vergangne Knabe (um den sich seine warmen Wurzeln drängen) verlor in Traurigkeiten und Gesängen.
(R.M.Rilke)
Im traditionellen Kreuzweg, begegnet Jesus hier Maria.
Die erste Hauptperson ist in der Regel die Mutter. An dieser Beziehung, der Liebe und Anteilnahme,  richtet sich das Menschenkind auf (oder sinkt herab, wenn es der derer mangelt)  Im Bild dominieren die Farbtöne des (natürlichen) Triebes (rot-gelb) und die der Reifung und des  Wachsens (grün). Es ist die Zeit des intensivsten leiblichen Wachsens und Werdens.  Die Mutter wirkt überdimensional, wie sie ja auch erlebt wird und zu den vier Personen im  Hintergrund (oder Schablonen – Projektionen) sind zwei dazugekommen. Es ist die Dimension des  «oben» und «unten», das aus der Fläche einen Raum macht. Den seelischen Raum, in dem das  Geistkind sich entfalten und «wohnen» kann – oder eingesperrt und «unterernährt» dahinvegetiert.
Die Mutter ist hier – im Gegensatz zum traditionellen Kreuzweg – die größere Gestalt, so wie das  Kind sie erlebt. Die Körperhaltung entspricht der Rune «Perto» (des gemeingermanischen Futhark),  oder dem Becher, die Schale und somit den Behälter für das Wasser darstellt =  Symbol für das weibliche Element.  Oder auch, dem Gral. Ebenso wie der Becher die Flüssigkeit aufnimmt, nimmt auch die Bildfigur auf. Einmal das Kreuz, andererseits den emotionalen Strahl, der vom Herzen des Kindes ausgeht. Trotz der Größe und Dominanz in der Bildkomposition, geht von dieser Figur nichts aktiv handelndes, sondern aufnehmend formendes aus, dass durch Hingabe, Annahme und Liebe gestaltet.
Sie entspricht auch dem „Baum, der reif und rauschend…“ des Rilketextes.

V - Station
Simon von Cyrene hilft Jesus das Kreuz tragen
Du, Nachbar Gott, wenn ich dich manchesmal in langer Nacht mit hartem Klopfen störe, so ists, weil ich dich selten atmen höre und weiß: Du bist allein im Saal. Und wenn du etwas brauchst, ist keiner da, um deinem Tasten einen Trank zu reichen: Ich horche immer. Gieb ein kleines Zeichen. Ich bin ganz nah. Nur eine schmale Wand ist zwischen uns, durch Zufall; denn es könnte sein:ein Rufen deines oder meines Munds – und sie bricht ein ganz ohne Lärm und Laut. Aus deinen Bildern ist sie aufgebaut.
(R.M.Rilke)
Im traditionellen Kreuzweg tritt Simon aus Kyrene zum strauchelnden Jesus und hilft ihm tragen  (allerdings nicht aus eigenem Antrieb).  Steht die Mutter für die sozialen Bindungen, wird hier – in dieser Bilddarstellung – der „Vater“ als  Sinnbild für die inneren Werte und Ziele verstanden (eben als der „Vater“ Christi – des Gottessohnes),  die im Innern, hier im Herzen, tragen und formen.
„Vater, der du warst, bist und sein wirst in unser aller innerstem Wesen! Dein Wesen wird in uns allen verherrlicht und hochgepriesen. Dein Reich erweitere sich in unseren Taten und in unserem Lebenswandel. Deinen Willen führen wir in der Bestätigung unseres Lebens so aus, wie du, o Vater, ihn in unser inenrstes Gemüt gelegt hast. Die Nahrung des Geistes, das Brot des Lebens, bietest du uns in Überfülle in den wechselnden Zuständen unseres Lebens. Lasse Ausgleich sein unser Erbarmen an anderen für die Sünden an unserem Wesen begangen.“ („Esoterisches Vaterunser“ – nach Rudolf Steiner)
Der Vater im «in unser aller innerstem Wessen» – der aktiv, handelnde Aspekt des Göttlichen, hier im Zentrum des  Menschen, im Herzen, dargestellt. Rot – die Farbe des Blutes, das alle Einzelzellen des  Gesamtorganismus mit allen notwendigen Bestandteilen versorgt und zu einer Einheit gestaltet, und  aus der dynamischen Kraft des Herzens angetrieben wird.
Aus der Familie, der kleinen mütterlichen sozialen Gruppe, geht es hinaus in die große Gemeinschaft  der Schule und der Notwendigkeit des Lernens und Handelns. Fünf ist die Zahl der Sinne (hören,  riechen, schmecken, sehen, tasten) aus deren Informationen die Weltanschauung entsteht, die vor  allem in der Schulzeit geformt und aufgebaut wird.
Ohne den „Nachbar Gott“ (Rilke) im Innern, kann diese Weltanschauung allerdings sehr Gott- und damit auch Sinnlos werden.

VI - Station
Veronika reicht Jesus das Schweißtuch
Und deine Bilder stehn vor dir wie Namen. Und wenn einmal das Licht in mir entbrennt, mit welchem meine Tiefe dich erkennt, vergeudet sichs als Glanz auf ihren Rahmen. Und meine Sinne, welche schnell erlahmen, sind ohne Heimat und von dir getrennt.
(R.M.Rilke)
Im traditionellen Kreuzweg reicht Veronika dem Jesus ein Tuch, damit er seinen Schweiß abwischen  kann.  Die Zeit der sexuellen Reife, die Auseinandersetzung mit den eigenen Triebkräften , und den  Menschen aus dem sozialen Umfeld. Hierzu gehört auch das Geben (Tuch) und Nehmen, ebenso  wie das achten auf die Bedürfnisse des anderen (Schweiß) – Aber auch auch die Kräfte des sexuellen  Triebes die nun ins Bewusstsein treten und nicht nur körperliche Zeugungskräfte, sondern auch  Gestaltungskräfte sind, die im seelischen Bereich als Kreativität erlebt wird.
Im Bild ist die Dualität, der vorher getrennt dargestellten Aspekte des weiblichen und männlichen, in  Bezug zueinander dargestellt. Links der weibliche (Frau und blaue Kugel), rechts der männliche (rote  Pfahl und roter Ball), beides in sich getrennt durch die grüne Schlange, aber alles um die goldene  Gestalt konzipiert. In der nordischen Mythologie umschließt die Midgardschlange den «mittleren  Garten» (die Erde) und begrenzt den Bereich unserer bewussten Erfahrung. So liegen die  unpersönlichen Kräfte des allgemeinen männlichen und weiblichen Prinzips außerhalb und die  persönlichen Wahrnehmungen von Körper und «Pfahl» innerhalb des Schlangenkreises. Einerseits  ragt der «Pfahl» hinter der Gestalt auf, andererseits durchdringt dieser aber auch die weibliche Gestalt,  das weibliche Herz.
Andererseits kann die Komposition von weiblicher Gestalt und Pfahl, auch als Strahl, der vom  Herzen der Gestalt ausgeht gelesen werden. Da der kreative Prozess nur im geringsten Teil vom  Bewusstsein gesteuert oder gar getragen wird, weist die weibliche Gestalt mit ihren Anteilen, die aus  dem Schlangenring hinausweisen, auf die Anteile des Unbewussten und seinen aktiven Teil (Farbe  rot) hin.
Was aus den Kräften gemacht wird, ob sie treibend sinnlich, oder treibend seelisch wirken,  entscheidet sich vor allem in der Zeit der Geschlechtsreife, die hier dargestellt ist – bie rein sinnlicher  Ausrichtung ist der Ausspruch Rilkes über die „Sinne, welche schnell erlahmen“ durchaus  beachtenswert.

VII - Station
Jesus fällt zum zweiten Mal unter dem Kreuz
Wenn es nur einmal so ganz stille wäre. Wenn das Zufällige und Ungefähre verstummte und das nachbarliche Lachen, wenn das Geräusch, das meine Sinne machen, mich nicht so sehr verhinderte am Wachen -: Dann könnte ich in einem tausendfachen Gedanken bis an deinen Rand dich denken und dich besitzen (nur ein Lächeln lang), um dich an alles Leben zu verschenken wie einen Dank.
(R.M.Rilke)
Der aus der inneren Wandlung und Reifung gewordene (rote) Mann (Mensch) steht in der  Auseinandersetzung von Mutter (familiärer Ursprungsfamilie und deren Traditionen) und Partnerin (deren Bedürfnissen und Persönlichkeit) und schaut auf das, was Anlage in ihm schlummert – so er die  Reife dazu hat. Es ist das erste Bild mit Gesichtern und das letze in dem die goldige Gestalt die  Hauptfigur und die einzige, wo sie doppelt dargestellt ist. Einmal am Boden (Fall) und als haltende  Gestalt hinter dem Menschen – als Symbol für den «erwachsen» gewordenen Geistkeim, der nun kein  «Keim», kein «Anfang» mehr sein sollte, sondern etwas «gewordenes», «gereiftes» und somit  «tragendes» – ohne diese würde die rote Gestalt am Boden liegen und es kann hilfreich sein, sich dies  vorzustellen. Dann wäre der Kreuzweg hier zu Ende. Dann wäre der Gottessohn wiederholt gefallen  und nicht wieder aufgestanden.
Wichtig ist ebenso die Blickrichtung = nach „unten“, das symbolisch als Richtung auf das  „Unbewusste“ dargestellt ist, aber mit „unten“ als Gegensatz zu „oben“, als „gut“ im Gegensatz zu  „böse“ nichts zu tun hat. Die weitere Entwicklung geht nun in die innere seelische, aus der heraus der  Mensch selbstbewusst und eigenständig als soziales Wesen handeln kann.
Oder, in den Worten Rilkes ausgedrückt: dich (Gott) besitzen…, um dich an alles Leben zu  verschenken“ – vorher muss man jedoch – „in einem tausendfachen Gedanken bis an deinen Rand dich  denken“, und somit den Weg nach „inne“ gehen.

VIII - Station
Jesus begegnet den weinenden Frauen
Ich lebe grad, da das Jahrhundert geht. Man fühlt den Wind von einem großen Blatt, das Gott und du und ich beschrieben hat und das sich hoch in fremden Händen dreht. Man fühlt den Glanz von einer neuen Seite, auf der noch Alles werden kann. Die stillen Kräfte prüfen ihre Breite und sehn einander dunkel an.
(R.M.Rilke)
Im traditionellen Kreuzweg begegnet hier Jesus den weinenden und trauernden Frauen.
Der Weg nach inne, ist der Weg des „Brunnens“ (Frau Holle) des Absteigens in die Welt des  Unbewussten und die Auseinandersetzung mit den dort waltenden Kräften. Die Frage nach dem Sinn  des Lebens, des eigenen Schicksals, der eigenen Aufgabe. Dargestellt, wurde dies an den drei Nornen.  Den Sinnbildern der Vergangenheit (Urd – Ursprung) der Gegenwart (Werdandel – Werdezeit) und  der Zukunft (Skuld – Schuld). Aus der Vergangenheit kommen die Impulse und Verstrickungen, die  die Gegenwart gestalten und so wie diese erlebt und in dieser gehandelt wird, entstehen „Schulden“  (an anderen, in der eigenen Seelenlandschaft) aus denen wieder neue Ereignisse entstehen, eine neue  Gegenwart, in der wieder entschieden und gehandelt wird. Und das eine ist mit dem anderen (durch  die Gegenwart) miteinander verbunden – und diese ist der „Ort der Freiheit“. Nur in der Gegenwart kann das Ich bewusst sich so entscheiden, wie es seinem Selbstbewusstsein entspricht. Ist das Ich gefangen in seine seelischen Muster, ist es der „Sklave seiner Seele“…

Hier beginnt ein neuer Zyklus (Siehe Einleitung)
Es ist ein Anfang und ein Neubeginn, hinter dem die bewusste Entscheidung, diesen Weg zu gehen, liegt. Wer sich darauf einlässt, beginnt mit einer «Neuschöpfung» der eigenen Seelenlandschaft, ist  allerdings bei diesem «Gerichtsentscheid» Richter und Angeklagter zugleich = mit Rilkes Worten:

„Die stillen Kräfte prüfen ihre Breite und sehn einander dunkel an.“  Die drei Frauen sind im Bild als Brunnen dargestellt, in dem sich die grün-gelbe Gestalt als goldene  Schablone widerspiegelt. Diese trägt wiederum das Kreuz über ihrem Herzen. Die Bildkomposition  bleibt in der klassischen Zuordnung: linke Seite und rechte Seite, so wie blaue und rote Farbe  entsprechen der Aufteilung in weiblich und männlich. Oben die Sonne und unten die Erde.


IX - Station
Jesus fällt zum dritten Mal unter dem Kreuz
Ich lese es heraus aus deinem Wort, aus der Geschichte der Gebärden, mit welchen deine Hände um das Werden sich ründeten, begrenzend, warm und weise. Du sagtest leben laut und sterben leise und wiederholtest immer wieder: Sein. Doch vor dem ersten Tode kam der Mord. Da ging ein Riß durch deine reifen Kreise und ging ein Schrein und riß die Stimmen fort, die eben erst sich sammelten um dich zu sagen, um dich zu tragen alles Abgrunds Brücke – Und was sie seither stammelten, sind Stücke
deines alten Namens.
(R.M.Rilke)
Pechmarie und Goldmarie sahen beide die gleiche innere Landschaft, es war die innere Veranlagung,  die beide unterschied und damit auch dazu brachte, den Baum und den Ofen als störend oder bedürftig  zu sehen. Wer einmal in den eigenen Brunnen hinabgestiegen ist,  wird sich als starr und  schattenwerfend erleben von etwas, das er ersteinmal nicht ändern kann, da es ein Teil seines Wesens  ist. Jedem fällt sehr schnell auf, was der „Andere“ ändern kann und sollte – im eigenen Verhalten fällt  diese Wahrnehmung mehr als schwer.
Werden die (eigenen Verhaltens-) Muster erkannt, dann steht die Entscheidung zum «Verweilen»  oder zum «Verändern» an. Allerdings ist diese Entscheidung nicht nur einmal und auch nicht so  einfach. Denn die eigenen Muster erlauben dem Ich eine «stressfreie» Erlebniswelt und sind aus  dessen Entwicklung hervorgegangen. Sie zu ändern entsteht erst aus einem Leidensdruck (Krankheit,  neue Umwelt, Veränderung der sozialen Struktur) heraus, und ist durchaus angstbesetzt. Dies soll der  Gesichtsausdruck darstellen. Auf der linken Seite ein blaue Gestalt, die «furienhaft», «gesichtslos» und  «schemenhaft» im Unterbewusstsein wühlt und drängt. Auf der rechten, «bewussten» Seite tauchen  die Symbole der drei Golgatha-Kreuze auf. Christus und die beiden anderen Verurteilten, von denen  der eine in den Himmel, der ander in die Hölle kamen. Symbolisch sind es zwei Runen, die hier  dargestellt sind(des nordischen Fudork, bestehend aus sechzehn Raunen). Die Ar – Rune (Querbalken nach rechts oben) und die Nod – Rune (Querbalken nach  rechts unten).  Die Nod – Rune ist die Schicksalsrune (Notwendigkeiten), die Ar – Rune die Lebensrune (Lebensprozesse). Übereinandergelegt ergeben sie die Hag-all – Rune, die Rune des «All –  Umhegers», im griechischen Denken, der «Logos», das «Wort» im Johannesevangelium:
«Am Anfang steht worthafter Geist. Denn worthafter Geist geht nach Gott. Gott selber ist  worthafter Geist.» (Johannesevangelium 1,1 – E. Drewermann)
Ein «Wort» ist einerseits Ausdruck der inneren Gedanken und andererseits die Möglichkeit der  Kommunikation. Also sichtbarer Schöpfungsakt aus dem Geist, der sich interaktiv ausdrückt.  Das Bild stellt die Entscheidungsfindung vor der «Geburt», des «in Erscheinung-tretens» dar, das mit  Kämpfen verbunden ist und weist auch auf den Rilketext, der sich auf Abel und Kain bezieht. Abel =  der nomadisierende Viehzüchter, der auf der Erde umherstreift und das nimmt, was diese ihm gibt –  Kain = der die Erde aufreißende und Bäume ausrodende Ackerbauer, der die Landschaft (hier die  Seelenlandschaft) umgestaltet; und durchaus in der dunklen Gestalt auffindbar ist.

X - Station
Jesus wird seiner Kleider beraubt
Der blasse Abelknabe spricht: Ich bin nicht. Der Bruder hat mir was getan, was meine Augen nicht sahn. Er hat mir das Licht verhängt. Er hat mein Gesicht verdrängt mit seinem Gesicht. Er ist jetzt allein. Ich denke, er muß noch sein. Denn ihm tut niemand, wie er mir getan. Es gingen alle meine Bahn, kommen alle vor seinen Zorn, gehen alle an ihm verloren. Ich glaube, mein großer Bruder wacht wie ein Gericht. An mich hat die Nacht gedacht; an ihn nicht.
(R.M.Rilke)
Im traditionellen Kreuzweg würfeln hier die Söldner um die Kleidung der Todeskanditaten.
Beim genaueren Wahrnehmung der eigenen Wesenstrukturen, werden auch viele Charakterzüge und  Eigenheiten als „angezogen“ und „übergestülpt“ wahrgenommen, die „ausgezogen“ werden können.  Das Würfeln ist eine Form des „Orakeln“ – dem Überlassen der Ereignisse an die nicht  wahrnehmbaren Schicksalsmächte – das heute als Tarotkarten, Runen Legung oder auch als I Ging  Befragung, vielen Menschen hilft, die äußeren „Hüllen“ (Sichtweisen) abzulegen und sich mit dem  Eigentlichen (der inneren seelischen Landschaft und deren Muster) auseinanderzusetzen.
Das Loslassen – entkleiden – der angepassten und eingeübten Verhaltensformen, der „Persönlichkeit“  (Persona = Maske des Schauspielers im griechischen Theater) und die Aufnahme mit den wirklich  schaffenden Kräften im persönlichen und unpersönlichen Unbewussten ist die Aussage dieses Bildes.
Im Zentrum leuchten die drei Würfel in den Farben rot (handelnd) und blau (aufnehmend). Dahinter  steht die Gestalt des vorhergehenden Bildes in einer roten Aura. Das im vorhergehenden Bild als  klares (Wunsch) Ziel erkannte ist relativiert und durch die begonnene Wesenveränderung unscharf  geworden. Die Hülle (Persona – Maske) hat die Aufmerksamkeit für sich genommen. «Liebe ich  meine Verhaltsmuster? Liebe ich sie nicht?» Das sagt die Gestalt auf der (bewussten) rechten Seite. Die  unbewusste (linke) Gestalt lässt sich über die Werkzeuge des Orakelns (Würfel) vernehmen. Es ist  eine konfliktreiche Situation (ähnlich Bild drei), die ebenso undurchsichtig ist. Wer schon einmal  Karten, oder Runen gelegt hat weiß, dass dazu auch immer die Auslegung, der innere Kommentar  gehört, und muss nicht nur aus den Tiefen kommen, sondern auch vom Bewusstsein angenommen  sein.
Es ist wie ein Kontaktaufnahme zu einem Toten (bei Rilke Kain), zu den noch „toten Wesenanteilen“  der eigenen Seele.

XI - Station
Jesus wird an das Kreuz genagelt
Du Dunkelheit, aus der ich stamme, ich liebe dich mehr als die Flamme, welche die Welt begrenzt, indem sie glänzt für irgend einen Kreis, aus dem heraus kein Wesen von ihr weiß. Aber die Dunkelheit hält alles an sich: Gestalten und Flammen, Tiere und mich, wie sie’s errafft, Menschen und Mächte –
(R.M.Rilke)

Was sind die wirklich schaffenden Kräfte?

Im christlichen Verständnis ist es der Heilige Geist (ruach = der hebräische Begriff ist weiblich:) die (!) „Geistkraft“ welche von Gott ausgeht, bzw die Gottnatur in Christus, die ihn die  Folterqualen durchhalten – aber auch erst „erstreben“ lässt.
Jeder Mensch ist ein „Krist-All“ Gottes,  eine Inkarnation (Fleischwerdung) des „väterlichen Weltengrundes“. Und jeder trägt diesen „Gotteskeim“, in sich, der in ihm sich seiner selbst bewusst werden will. Und bei aller Unterschiedlichkeit der Menschen und ihrer Aufgaben und Lebensweisen, gilt:
„Ich bin der HERR (JHWH = Ich-Bin), und sonst keiner mehr, der ich das Licht mache und schaffe die  Finsternis, ich schaffe das Heil und schaffe das Unheil. Ich bin der HERR (JHWH = Ich-Bin), der dies alles  tut.“ (Jessaja 45,6.7) //„Und der worthafte Geist (Logos) wurde selber Natur, er schlug sein Zelt auf – in  uns.“ (Johannesevangelium 1,14 )
In jedem Menschen können wir diese Herrlichkeit sehen, den „Mensch gewordenen Gott“. Gewiss  gibt es in der eigenen (roten) Triebnatur viel Dunkles und Lichtloses – aber = Im Bild sind sie  angenagelt mit goldenen Hämmern. Der Hammer des Thor galt (in der nordischen Überlieferung) als Waffe gegen die Kräfte der  Riesen (Natur- und Triebkräfte außen und im eigenen Innern) Andererseits ist die Mutter von Thor  selbst eine Riesin. In der Bilderfolge geht es nun nicht ins Licht – sondern in das dunkle „Loch“,  welches anziehend und irgendwie „saugend“ auf den Eintritt wartet.
Dieses „Dunkle“, dieses „Unten“ entspricht der „Mutter“ des vierten Bildes, sozusagen der mit dem  Rücken nach oben umgelegten Pertho-Rune, die mit dem Geburtsvorgang, der die Frau zur Mutter   macht, in Beziehung gebracht wird: „Pertho ist stets / Spiel und Gelächter / unter kühnen Männern / wo die Frauen im Geburtssaal / glücklich beisammen sitzen.“  (Runenspruch dieser Rune) Allerdings geht es hier weniger um die Geburt, sondern um den mütterlich – weiblichen Aspekt des  Unbewussten, der hier vor allem im Loslassen (der bewussten Einstellung) und Vertrauen gesehen  wird. Rilkes „Dunkelheit aus der ich stamme…“
Die gelbe Gestalt bringt mit ihrer Körperhaltung die „Nod“ – Rune zum Ausdruck, die Rune der  (weiblichen) Schicksalsmächte (Nornen)

XII - Station
Jesus stirbt am Kreuz
Und es kann sein: eine große Kraft rührt sich in meiner Nachbarschaft. Ich glaube an Nächte.
(R.M.Rilke)
Mit welchem der beiden Figuren identifizieren Sie sich?
Es gibt im Tarot das Arcanum (Geheimnis) des Gehängten, der mit dem Kopf nach unten am Galgen  baumelt. Odin hing neun Tage (mit dem Kopf nach unten) am windigen Baum, bevor er die Runen  aufnahm.
Das „Hängen“ ist ein Augenblick des Stillstandes, des „anderen“ Standpunktes, der Umkehrung und  die Hinwendung zu den Wurzeln. Denn unser „Treiben“ kommt aus den „Trieben“, aus unseren  Wünschen, Verhaltensmustern und all den Schatten, die wir oft nur schemenhaft wahrnehmen.  Nicht ums „Auslöschen“ geht es hier, sondern um Auseinandersetzung und Wahrnehmung. Wir  sollten oftmals unsere „Sichtweise“ und somit den Blickwinkel, ändern.
Das Holzgestell setzt sich aus drei Runen zusammen:
Der „Man“ – Rune = sie steht für die Hinwendung zur geistigen Welt.
Der „Yr“ – Rune = die stellt die Hinwendung zur Welt der Triebe und Leidenschaften dar.
Der „Tyr“ – Rune = der Rune des (Welten-) Richters.
Die beiden körperlichen Gestalten: die Man-Rune und die Yr-Rune – ergeben  beide die Hagall-Rune. Diese ist die Rune des All-Hegers (des Logos = siehe Bild 9), der schaffenden  Kraft der sichtbaren und unsichtbaren Welt – die „große Kraft“ Rilkes.  (Vergleichen Sie Bild 5)

XIII - Station
Jesus wird vom Kreuz abgenommen und in den Schoß seiner Mutter gelegt
Ich glaube an Alles noch nie Gesagte. Ich will meine frömmsten Gefühle befrein. Was noch keiner zu wollen wagte, wird mir einmal unwillkürlich sein. Ist das vermessen, mein Gott, vergieb. Aber ich will dir damit nur sagen: Meine beste Kraft soll sein wie ein Trieb, so ohne Zürnen und ohne Zagen; so haben dich ja die Kinder lieb.
(R.M.Rilke)
Wenn wir aufhören selbstbestimmt sein zu wollen, alles aus der Kraft des bewussten Erlebens und der  bewussten Wahrnehmung tun zu wollen, sondern unseren Standpunkt verlagern, mit dem „Kopf  nach unten“ in Bereichen hinein reichen die wir ansonsten meiden und vielleicht auch verleugnen,  kommen wir in einem Zustand den das Bewusstsein als zerstörend empfindet, als „tödlich“.
Die Seele setzt sich dabei Kräften aus, die von der Ratio aus nicht mehr nachvollziehbar oder gar  bestimmbar sind.  Jede Traumsuche, jede schamanische Reise, Trance oder tiefere Meditation führt aus der lichten Welt  des Bewusstsein hinaus in „unbewusste Welten“, die in Wirklich nicht tod oder zerstörend sind.
Vertrauen Sie auf die tragende Kraft des Wesenhaften in sich – das im Bilde in der blauen Gestalt –  und auf die Wandelbarkeit Ihres Bewusstseins – das im Bilde in der rotgelben jubelnden Gestalt dargestellt ist. So wie es Rilke ausdrückt: „Meine beste Kraft soll sein wie ein Trieb,  so ohne Zürnen und ohne Zagen“
In der Körpergestik sind drei Runen sichtbar: in der blauen Gestalt die Tyr-Rune, in der rot/gelben die  Man-Rune und in der mittleren die Ur-Rune (Heilung durch Selbsterkenntnis)

XiV - Station
Der heilige Leichnam Jesu wird in das Grab gelegt.
Mit diesem Hinfluten, mit diesem Münden in breiten Armen ins offene Meer, mit dieser wachsenden Wiederkehr will ich dich bekennen, will ich dich verkünden wie keiner vorher.
(R.M.Rilke)
Aus dem was Sie zulassen – aus den „unbekannten“ Bereichen Ihres Wesens – wird das Neue  entstehen können, was durch bewusstes lernen und studieren nie entstehen kann. Veränderungen  entstehen durch Loslassen (der bewussten Handlungsmuster). Annahme (der vitalen Kräfte Ihrer  Seele) und der Verwirklichung des in Ihnen angelegten. Die «Individuation» (C.G. Jung), oder  «Gottsohnschaft»:  «Geantwortet hat ihnen Jesus: Steht nicht geschrieben in eurem Gesetz: «Ich habe gesprochen:  Götter seid ihr?» – Johannesevangelium 10,34 (E. Drewermann)  – ist etwas von Gott gewolltes und erstrebenswertes.
„Und ist das Hoffahrt, so laß mich hoffährtig sein für mein Gebet, das so ernst und allein
vor deiner wolkigen Stirne steht. Ich bin auf der Welt zu allein und doch nicht allein genug um jede Stunde zu weihn. Ich bin auf der Welt zu gering und doch nicht klein genug um vor dir zu sein wie ein Ding, dunkel und klug.
Ich will meinen Willen und will meinen Willen begleiten die Wege zur Tat; und will in stillen, irgendwie zögernden Zeiten, wenn etwas naht, unter den Wissenden sein oder allein.
Ich will dich immer spiegeln in ganzer Gestalt, und will niemals blind sein oder zu alt
um dein schweres schwankendes Bild zu halten. Ich will mich entfalten. “
(R.M.Rilke)

Darüber zu schreiben, oder zu lesen, ist nur als Hinführung sinnvoll, die Wirklichkeit und  Sinnhaftigkeit eines solchen Weges, kann nur durch die eigene (Lebenspraxis) erlebbar werden.

Holger Schaller

XV  - Station
Der Auferstandene

Die Integration und Verarbeitung der sogenannten „dunklen Anteile“ führt zur Selbständigkeit und Selbstbewusstsein