Christus


Das Bild ist „dreistöckig“ aufgebaut und entspricht somit dem schamanischen Weltmodell der Ober-, Mittel-, und Unterwelt. Entgegen dem christlichen Modell eines „guten“ Oben und eines „bösen“ Unten und ewigen Kampfes beider auf der Erde, steht hier die Erde (die Menschenwelt, das menschliche Bewusstsein) im Zentrum und der Mensch hat Kontakt nach „oben“ und nach „unten“. Die Bildbetrachtung beginnt somit in der Mitte:

In der alten europäischen Religiösität lebt der Mensch auf Mitgard, dass von der Utgardschlange (auch Mitgardschlange) umschlossen ist. Das Viereck (<>) symbolisiert die Erde mit ihren vier Himmelsrichtungen und den vier Elementen. Das Labyrinth den Lebensweg der Menschenseele, die im „Innern“ verarbeitet – das ist dargestellt durch den offenen Baum. Die Rinde symbolisiert das „Außen“, die sinnliche Welt, und das rote „Innere“ die Seele. die grüne Pflanze das geistige Wesen – das Bewusstsein = das Erdenleben Christi als Mensch auf dieser Erde. Im Labyrinth kommt man immer ans Ziel (nicht im Irrgarten) allerdings muss man manchmal vor und zurück – aber wer wirklich seinen Weg geht, kommt auch ans Ziel


Das „Unten“ – psychologisch gesehen = das Unterbewusstsein, kosmisch = Hel – die Totenwelt. Im Schamanismus die „Wurzelwelt“ in der die Keime des natürlichen Fruchtbarkeitszyklus geborgen sind. Der Ausspruch Christi: „Nimm dein Kreuz auf dich und folge mir nach“ weist in die gleiche Richtung. Das eigene „Kreuz“ kann als das eigene Schicksal erlebt werden, dass tief in unserem Unterbewusstsein verankert ist und unser bewusstes Erleben (mit-) gestaltet. Im Bild ist der Kontakt des menschlichen Bewusstseins (als Schattenarbeit, Hel-Arbeit und ähnliche Praktiken) durch die menschliche Gestalt dargestellt, die sich nach „unten“ wendet.

„Gott wurde Mensch…“ Auch Jesu war zornig, drohte mit Strafe, zog sich in die Einsamkeit zurück und „floh“ die Menschenmassen. Wir sollten auch die Evangelien so lesen, dass diese Auseinandersetzung des „göttlichen“ Bewusstseins mit den menschlichen Verhaltenskomplexen ein „Kampf“ und ein Reifeprozess gewesen ist – dann wird Christi Erdenleben für unser eigenes Leben ertragreicher.

„Es ist vollbracht“ – das Herz ist kein Abgrund mehr: „aus dem „kommen heraus die bösen Gedanken, Unzucht, Diebstahl, Mord,“ (Mk 7,21), sondern eine blühende Rose. Das Gesicht ist nicht nach unten, sondern nach oben ausgerichtet und strahlt im Licht. Und die Arme sind nach oben – aber die Hände nach unten, um den Segensstrom der Auferstehung in die Menschwenwelt fließen zu lassen.

Im Gesamtbild ist das große Kreuz mit Christus verwoben – die Menschwerdung Gottes. In dieser Menschwerdung, der rote Körper mitsamt der unteren Kugel symbolisiert das Seelenleben des Menschen. Der Leib (und die sinnlich erlebbare Welt) ist die „Rinde“, das „Außen“ – die Seele das „Inne“. Seele und Leib sind miteinander eins (psychosomatische Einheit) und ganz im „Inne“ wirkt der „Geist“, oder das Bewusstsein, im Bild vor allem grün dargestellt. Die Segensströme, welche die Wurzeln nähren zeigen die Verbindung von Menschenseele und kosmischer Seele, von Inne und Außen, von „Gottes-Geist“ und „Menschen-Geist“