Groagaldr

2018

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Das Groa-Galdr

Galdr, oder Galster, bezeichnet die „Magie der Sprache“. Die Veränderungen, die über den Ton, dem Laut, dem Vers, dem Wort geschehen. In der nordischen Magie wurde zwischen dem Galdr und dem Seidhr getrennt. Während das Seidhr eher als Trance und Bewusstseins-auflösend praktiziert wurde, verwendet das Galdr das Bewusstsein und feste Formen.

Dieses Galdr wendet sich an Groa – die „Mutter“ (des Bewusstseins, des Lebens, der Welt) und die Verse können als „Schattenweg“, oder „Helweg“ zur Mutter, also dem persönlichen und kollektiven Unterbewusstsein gelesen werden. Oder als Erweiterung des Bewusstseins hinein ins Unbewusste.

Zum Mythos des Textes: Jedes Jahr zur Yul-Nacht (der längsten Nacht des Jahres: der Mutter-Nacht) wird der neue Jahresgott geboren (Svipdagr – der Sohn im Text) und er wächst mit der Zunahme des Lichtes (der Tag) und sein Ziel ist es, die kalte, schwierige Winterzeit zu überstehen, um letztendlich um Freya (der Göttin der Fruchtbarkeit) freien zu könen und mit ihr gemeinsam im Frühjahr (zur Tag- und Nachtgleiche) den neuen Fruchtbarkeitszyklus zu beginnen. Psychologisch geht es hier um die Stärkung des Bewusstseins in Notzeiten.

Die Bilder entstanden in und aus der Verwendung des Galdr

Anrufung – Vers 1

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Der Blick nach „unten“

Erwach Groa, erwach Mutter! Ich weck dich vor den Toren der Toten. / Wenn du dich dessen erinnerst, dass du deinen Sohn aufgefordert, zum Grabhügel zu kommen.“

Vorgedanken zum Bild: die Schlange ist kein negatives Symbol, sondern in vielen alten Kulturen ambivalent. Ich verwende es um den Aspekt der unterbewussten Triebe, Leidenschaften, des sich immer wieder erneuernden Lebens darzustellen. (Im spirituellen Sinne ein Symbol der Großen Mutter). Das Ei steht für die Frucht, sowie das Samenkorn, und symbolisiert den Augenblick der Wandlung in einem Prozess. (Es ist Ende und Anfang zu gleich).

Bild: Wer anfängt „in sich selber hinuntersteigen“, oder wissen möchte warum er so handelt, wie er handelt, welche Verhaltensmuster da in ihm ablaufen, ohne zu fragen – hat meist den Grund einer seelischen Belastung (die Last oben auf den Schultern). Das ist der Moment der „Totenerweckung“ im Text, und das Totenreich der Bereich des Unterbewusstsein, welches dem bewussten Ego nicht bewusst (also „tot“) ist. Die Gestalt schaut „in die Tiefe“ um diesen Bereich zu erwecken. Im Bild hört die Schlange aufmerksam zu und das Ei symbolisiert, dass nun ein Moment des Neubeginns möglich ist. Die Sonne verweißt darauf, dass es „Bewusstseinsarbeit“ – also kein Überrollen der inneren Triebe und Leidenschaften – ist, also „das Licht ins Dunkel scheint“.

Kartenbedeutung: Stresssituation, Zwänge, Not,


Erwachen – Vers 2

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im „Unten“

Was sorgt jetzt meinen einzigen Sohn, in welches Unheil bist du geraten, / dass du die Mutter rufst, die zur Erde gegangen und aus den Menschenheimen gezogen ist?“

In Vers 1 ruft der Sohn die tote Mutter, oder psychologisch gesehen: das Bewusstsein öffnet sich für das Unterbewusste seiner Seele. Weiß es worauf es sich einlässt? Das Bewusstsein (mit dem Ego als Zentrum) ist der „lichte“ Teil unserer Seele und viele wenden sich auch eher „ins Licht“, also „nach oben“ zu den Engeln, Gott usw.

Im (persönlichen) Unterbewusstsein herrschen die Verhaltensmuster (die oft nicht mehr der realen Gegenwart entsprechen), im (kollektiven) Unbewussten die Grundmuster (Archetypen) die auch in Pflanze, Tier und Welt wirken.

Bild: Ganz unten das Ego, umschlungen von seinen Verhaltensmustern, die aus dem bisherigen Leben stammen, in bestimmten Lebenssituationen wichtig waren, aber heute oftmals zu Fehlentscheidungen führen und dem Ego nicht bewusst sind. Die Schlange symbolisiert die vitalen und grundlegenden Lebensprozesse, wie sie in den Organen (z.B.) wirken und Hungergefühl, oder auch Unruhe (Herz) hervorrufen können. Der Hund all die Triebe und Leidenschaften (Gier, Eigensucht, Fortpflanzung…) die „dem Leben“ eigen sind. Links die dunkle Gestalt die Seele, die „Mutter“ aus der das Bewusstsein (der Sohn) geboren ist. Dunkel, weil ihr Wesen dem Bewusstsein fremd ist. Rechts, der Seelenbereich der dem Bewusstsein zugänglich und vertraut ist. Wie groß dieser (graue oder lichte) Anteil ist, hängt von der Arbeit des Ego‘s, dem Aufarbeiten seiner Muster, dem Öffnen für die kollektiven Grundmuster, ab. Links unten die Rune ThurisaR (Chaos, unbewusste Naturgewalten, Entladungen) und rechts die Rune Wunjo (Harmonie, Ausgleich, Freude)

Kartenbedeutung: Erwachen, das Gefühl des Getragen-Sein, Erweiterung des Bewusstseins.


Schicksal (Wyrd) – Vers 3

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die Aufgabe

Ein schlimmes Spielbrett schob mir die Frau zu, die nach dir meinen Vater umarmte. / Da befahl sie mir, was man unzugänglich kennt, zu Freya zu gehen.“

Die Aufgabe des jungen Jahresgottes (siehe Einleitung) ist es erwachsen und stärker zu werden um letztendlich Freya zu freien.

Bild: Das (junge Bewusstsein) im Kasten des Schicksals, angeschoben von Bestimmung und Aufgaben – gezogen von den wohlmeinenden Mächte. Die Rose symbolisiert mit ihren Dornen den Schmerz und mit ihrer Blüte die Erfüllung.

Kartenbedeutung: Schicksal, Aufgabe, die Norne


Die Entscheidung – Vers 4

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die Entscheidung

Lang ist die Fahrt, lang sind die Fahrtwege, lang sind der Menschen Verlangen. Doch was du erwartest, dass sei dir gewährt, erschaff, was Skuld dir schulden wird.“

Das Bild zeigt den Anfang eines (neuen) Weges. Das Labyrinth für diesen Weg, die das Labyrinth haltende Gestalt für die „helfenden“ Mächte (oder das Schicksal) und die beiden Gestalten zeigen einmal links den unsicheren Aufbruch (sie stützt sich eigentlich auf den Stab – greift aber schon ins Labyrinth) und die andere beugt sich der Angst vor der Fehlentscheidung (die Träne) und das „rühren“ im Kessel (was das „herumrühren“ in den Ängsten und Sorgen andeuten soll).

Die letzten beiden Verse finde ich sehr bedeutsam: „was du erwartest (Erfolg oder Fehlschlag) das sei dir gewährt, erschaff, was das Schicksal dir schuldet“ – das werden wir erst wissen, wenn wir es herausfinden und „schaffen“.

Kartenbedeutung: Entscheidungen, Zwiespalt, Gedanken,


Aufbruch – Vers 5

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die Bereitschaft

Sing mir Galdr-Sprüche, die wirksam sind, schütz Mutter, den Sohn! Ich fürchte, auf den Wegen umzukommen, ich halte mich noch für einen unreifen Mann.“

In der nordischen Mythologie werden die Raunen von Allvater (Odin) bei seinem Selbstopfer am Weltenbaum „gefunden“ und sie gelten als die Grundmuster der Welt (Hier gibt es eine Entsprechung zum christlichen Verständnis des Christus als „Logos“, dem Weltenwort.) Mit der Entscheidung, dem Weg des Schicksals zu folgen und seine Aufgabe zu erfüllen, tritt das Bewusstsein in den Bereich der kollektiven Archetypen, hier von den Runen dargestellt.

Bild: Was im ersten Bild noch „unten“ war, trägt nun das Bewusstsein, dass beginnt seine unter- und unbewussten Bereiche anzunehmen und sich und seine Beweggründe zu hinterfragen, auf die Bilder seiner Träume oder therapeutischen Arbeit zu vertrauen.

Die Schlange trägt den Runenkreis, umschließt das Ei und aus diesem beginnt sich das zu gestalten, was als Selbst-Bewusstsein aus dem Ego heraus wachsen und eigenständig in seiner Seele wirken kann. Auf dem Schild ist die Sowilo-Rune, die Rune des Selbstbewusstseins, der Sonne und des Sieges dargestellt.

Kartenthema: Aufbruch, Initiation, Wandlung


Die Last – Vers 6

die Last

Den sing ich dir als ersten, den man vielnutzend nennt – den sang Rind dem Ran – dass du über die Schulter schiebst, was dir übel erscheint, führ du selber dich selbst.“

Der erste Runenspruch im Groagaldr stellt das Grundproblem in der seelischen Entwicklung in den Mittelpunkt: die Last der (veralteten) Verhaltensstrukturen, der Denkmuster, Ängste, Sorgen usw.

Im Bild ist ganz oben der „Götzendienst“ (eine liegende Gestalt mit Opferschale vor einer Statue) gezeichnet. Dieser „Götze“ kann alles sein – das was bindet. Geld, Sex, Anerkennung (da fallen auch die Gurus mit rein), oder eine religiöse Praxis usw.

Unter der erdrückenden Last bleibt nur noch Reglosigkeit und pure Anstrengung möglich. Und ein Schrei. Aber so ein kleiner Lichtblick mag dann doch noch sein.

Von den Schultern schieb, was übel dir scheint und richte dich selbst nach dir selber“

Kartenthema: Befreiung durch Wahrnehmung, Selbstwahrnehmung, Eigeninitiative


Schutz – Vers 7

Den sing ich dir als zweiten, wenn du wandern musst freudlos auf den Wegen, Urd‘s Riegel mögen dich auf allen Wegen schützen, wenn du bedrängt wirst.“

Im ersten Runenspruch wird die „Last“ (die unterbewussten Verhaltensmuster und die Bindungen an ein „Idol“) auf „den Schultern“ angesprochen und aufgefordert diese aufzulösen. Aber jeder weiß, dass die Lösung von alten Verhaltensmustern und Bindungen (an die Karriere, das neue Auto, das neue Eso-Seminar usw) auch schmerzhaft ist, weil vieles auch als angenehm empfunden wurde: „wenn du wandern musst, freudlos…“

Im Bild ist der Götze (vom ersten Bild) zerbrochen und das eigenständige Bewusstsein steht auf dem Pfahlstumpf. Dort liegen auch noch einige Steine – Lasten.

Schlangen sind für mich keine negativen Symbole, sondern Ausdruck der vitalen, sich erneuernden Kräfte des Lebens, oder der „Großen Mutter“. Sie sind mit der Erde und der „Unterwelt“ verbunden. Im Bild symbolisiert sie die „Urd“ das personifizierte Schicksal, dem selbst die Götter sich unterwerfen müssen: „Urds Riegel mögen dich schützen…“

Kartenthema: Schutz, loslassen, freudlose Zeit


Gefühle – Vers 8

Trauer und Trost

Den sing ich dir als dritten, wenn reißende Flüsse dich bedrohen, sie werden zur Hel sich wenden und auf immer von dir weichen.“

Mit diesem Vers verbinde ich die Gefühlswelt und deren „Rauschen“, Reißen“ und „Strömen“ deren Ursache wir oft nicht beeinflussen können und denen wir uns häufig ausgeliefert „fühlen“

Im Bild ist links das „Gefangensein“ des Bewusstseins in (!) seinen Emotionen, in der Mitte der „Fluss“ der Gefühle und rechts der Sinn, dargestellt.

In seinem Kummer gefangen“ – zeigt die Darstellung links. Die Emotionen „durchfließen“ uns zwar, aber oft sind es kleine „Einheiten“, also einzelne Tränen – mal Freude, mal Trauer, mal Angst, mal Glück….das sind die einzelnen Tränen aneinander in der Mitte.

Den sing ich dir als vierten, wenn dich Feinde bedrängen, gerüstet und auf dem Galgenweg, die Stimmung wende sich ihnen, dir zu und der Sinn drehe sich ihnen zur Versöhnung

Thema: Emotionen: wahrnehmen – akzeptieren – loslassen


Der Feind – Vers 9

der Feind

Den sing ich dir als vierten, wenn dich Feinde bedrängen, gerüstet und auf dem Galgenweg / die Stimmung wend ich ihren – dir zu, und der Sinn drehe sich ihnen zur Versöhnung“

Feinde“, also Menschen mit anderen Interessen und Zielen und Aufgaben im Leben, welche durchaus den eigenen Interessen, Zielen und Aufgaben entgegenstehen können, wird es immer geben. So wie ich den anderen „hindere“, so der andere mich. Die Ursache immer nur bei mir zu suchen, ist genauso einseitig wie den Anderen immer als den „Bösen“ zu sehen. Im sozialen Umfeld müssen wir miteinander auskommen, und da macht es schon manchmal Sinn die Unterschiede der Interessen und der Ziele wahrzunehmen und den anderen eben auch als „Feind“, der mir „im Wege“ steht.

Aber wie soll ich da reagieren? Der Text sagt das sehr schön „Ihr Herz möge hold dir werden“. Das Wort „Sühne“ bedeutet eine Ausgleichshandlung, nachdem jemand „schuldig“ geworden ist – denn „im Wege rumstehen“ ist etwas anderes, als „den Weg sperren“, also mich zu „hindern“.

Im Bild habe ich das versucht mit der Lilie auszudrücken. Diese steht für „Reinheit“ und „Unschuld“ des Herzens. Wenn ich möchte, dass des anderen „Herzen“ mir hold wird, sollte meines auch selber „hold“ sein, also ohne innere Unreinheit und Schuld – in Beziehung zum entsprechenden Thema und Auseinandersetzung. Nicht aufeinander einschlagen (heutzutage mit Verleumdung, Gehässigkeit, Mobbing und ähnlichen Verhaltensstörungen), sondern mit zueinander „geneigtem Sinn“ die Probleme lösen – wäre die Aussage von Spruch und Bild.

Thema: offenes Herz, innere Klarheit, Toleranz und Verständnis


Die Fessel – Vers 10

die Fesseln

Den sing ich dir als fünften, wenn dir eine Fessel um die Glieder gelegt wird, Löse-Galdr werde ich dir über die Fessel sprechen, so springt das Band von den Gliedern.“

Da mein Thema nicht die historische, sondern die psychologisch-spirituelle Auslegung ist, komme ich bei Fesseln auf die Macht der Gedanken, der Leitbilder, des Intellektes und all der kleinen täglichen Denkschablonen, die uns binden und gebunden halten.

Das was du denkst, das wirst du sein“ mag ja stimmen – aber ist es „stimmig“?

Im Bild geht die Fesselung vom Kopf aus, dessen Zentrum dunkel ist. Es binden die Gedanken, es bindet das, was gesehen wird (die schönen und begehrten Dinge) und das, was gesprochen wird. Wie oft verstricken wir uns in unangenehme Situationen wegen einem dummen Wortes.

Die anderen beiden Zentren, die ungebunden sind: das Herzzentrum und das Bauchzentrum. Es gibt da viele Einteilung, ich folge der anthroposophischen Dreiteilung von Kopf (Gedanken), Herzraum (Rhythmus – Fühlen) und Bauchraum (Stoffwechsel – Wollen). Die Gestalt ist zwar gebunden, aber nur aus einem Zentrum heraus.

Der Gesang – der Rhythmus – gehört zum Herzzentrum und das „feilen“ – also „tun“ – zum Wollen (Bauchraum).

Thema: Befreiung von Fesseln, Gebundenheit, Zwängen.


Versenkung – Vers 11

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Lösung

Den sing ich dir als sechsten, wenn du aufs Meer kommst, stürmischer als es Menschen kennen, Luft und See, mögen dir im Boot zusammenkommen und dir stets friedliche Fahrt geben.“

Das erinnert an die Meerfahrt Christi, in der die Jünger voll Angst und Furcht ihren Heiland wecken, damit er die See beruhige. Die See und die Seele werden oft als makro- und mikrokosmische Entsprechung gesehen, so dass ein tosender See einer aufgewühlten Seele und ein ruhiger See einer beruhigten Seele entspricht. Der Wind – im hebräischen ruach (Geist), im griechischen pneuma, im deutschen Odem (Atem) – gilt dann in diesem Bezugssystem als der Geist. Während die (unberührten) lebendigen Tiefen dem Unbewussten entsprechen.

Bild: hier gibt es diese Dreiteilung ebenso: unten ein austrahlendes (aber stabiles) Zentrum, in der Mitte der Mensch auf seinem Boot und oben die Kamille, die als eine „Sonnenpflanze“ bezeichnet wird.

Aus dem Unterbewusstsein steigen Emotionen und Gefühle auf, die sich im Brustzentrum (Herz) „entladen“ und „tosend“ nach unten strömen. Die beiden Tierköpfe symbolisieren den „tierischen“ Aspekt des triebhaften Verlangens. Es ist alles in Aufruhr. Die Lösung liegt in dem, was die Kamille symbolisiert: „ihre Kraft ist, dass sie auflöst und weich macht und verfeinert, und was sie auflöst, das wird auch fließend gemacht“ ‚Leipziger Kräuterbuch’ (~ 1435). Der ruhige Fluss der Gefühle lässt sie wieder befrieden und ruhig dahinströmen.

Thema: innere Versenkung, Wachstum, Meditationen


Lebendigkeit – Vers 12

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die innere Mitte

Den sing ich dir als siebten, wenn dich Frost heimsucht im hohen Gebirge, Leichenkälte möge nicht dein Fleisch töten, und stets bleibe dein Leib unversehrt.“

Erstarrung (Frost), die mineralische Welt (Gebirge) mit ihren festen Formen sind auf dem spirituellen Weg der nach “unten“ geht, eine ernsthafte Gefahr. In der nordischen Mythologie werden die drei „Reiche“ drei Göttergeschlechtern zugeordnet: die anorganische (mineralische) Welt den Thursen, das Reich des Lebendigen (organische) den Wanen und die Welt des Bewusstseins (Tiere und Menschen) den Asen. Die Thursen sind der Ursprung von allem. Wer sich also den Ursprüngen nähert, kommt in den Bereich der anorganischen, festen und „kalten“ Mächte. Die Unversehrtheit des ganzen Menschen (also Bewusstsein, Lebensprozesse und Leib) sind hier eine wichtige Aufgabe.

Im Bild wird das Herz, der Brustbereich als die Mitte (Ryhtmus und Lebendigkeit) betont.

Themen: Unveränderbarkeit, Festigkeit, Leblosigkeit. Überwindung durch Lebendigsein. Achten auf die Rhythmen von Körper, Seele und Bewusstsein.


Trug – Vers 13

Trollweib

Den sing ich dir als achten, wenn dich draußen die Nacht überfällt auf dem Nebelweg, dass dir kein Trollweib Schaden zufügen kann.“

Der Nebelweg, die schamanische Reise, der Unterweltsweg – in die Nacht, also dem unbewussten (Tages-) Bereich. Das Trollweib symbolisiert den Trug, den Wahn, der überwunden werden muss. Und diese Überwindung ist aktiv, handelnd. Nicht demütig wartend bis sich etwas auflöst, sondern aus eigener Kraft und Wissen heraus die Lösung herbeiführen

Thema: Erkenntnis, Wissen, Eigeninitiative,


Kontakt – Vers 14

Thurse

Den sing ich dir als neunten, wenn du mit Mächten der Anderswelt redest, Wortgewandtheit und Weisheit sei dir für Mund und Herz genügend gegeben. „

Solange wir im persönlichen Raum bleiben, und die innere Welt als Symbole des eigenen Wesen wahrnehmen – ist alles gut. Aber es gibt eben auf dem spirituellen Weg auch die Möglichkeit mit eigenständigen Wesen zu kommunizieren, oder eigenständigen Bewusstseinsformen, die außerhalb unseres eigenen Bewusstsein leben. Jedes Ritual (jede christliche Messe oder Gottesdienst) geht von dieser Kontaktaufnahme aus. Dazu braucht es Weisheit und Wortgewandheit. Die Weisheit dort, wo die Unterscheidung zwischen Vers 8 und Vers 9 notwendig ist.

Thema: Aktzeptanz von fremden Bewusstseinsformen, klare Unterscheidung, Kommunikation.


Weihe – Vers 15

MutterSohn
Segen

Fahr nun niemals, wo Gefahr lauert, und kein Unheil mindre dir die Wünsche! Auf erdfestem Stein saß ich im Tor, während ich die Galdr-Sprüche sang.“

Das Bild nimmt den Runenkreis als Schutzkreis mit dazu. Vorn die Mutter, mit der Hagal-Rune des skandinavischen Fudork (die „Mutter-Rune“) und das junge Bewusstsein, dass sich auf den Weg macht.

Thema: Segen, Weihe, Schutz


Bewahrung – Vers 16

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Der Mutter Worte, Sohn, trage von hier und lass dir in der Brust sie ruhn! Reichlich Heil sollst du immer haben, solange du dich meiner Worte erinnerst.“

Im Alltag, in den Herausforderungen des Lebens, können die Erfahrungen eines Helweges, eines Schattenweges, nur ihre Wirkung zeigen, wenn sich daran erinnert wird.